Wie viel sagt ein Kurztest mit zehn Fragen?
Nur eine grobe Richtung. Bei zehn Fragen für fünf Merkmale bleiben zwei Aussagen je Merkmal. Solche Kurzformen sind für Studien mit sehr wenig Zeit gebaut, nicht dafür, einen einzelnen Menschen zu beschreiben.
Wofür es Zehn-Fragen-Tests gibt
Beatrice Rammstedt und Oliver John stellten 2007 eine Kurzform eines bekannten Big-Five-Fragebogens mit zehn Aussagen vor, auf Englisch und auf Deutsch. Schon der Titel nennt den Zweck: Persönlichkeit in einer Minute oder weniger zu messen [1]. Gedacht ist so etwas für Lagen mit sehr wenig Zeit.
Wir haben von dieser Studie nur Titel und Angaben gesehen, nicht den Abstract und nicht den Volltext. Deshalb nennen wir hier keine Zahlen aus ihr.
Warum weniger Aussagen weniger zeigen
Jede einzelne Aussage fängt nur einen kleinen Ausschnitt eines Merkmals ein. Missversteht man eine, antwortet man spontan anders oder passt der Alltagsbezug nicht, fällt das bei zwei Aussagen stark ins Gewicht, bei sechs oder zwölf kaum. Das ist eine allgemeine Regel des Messens, kein Befund dieser Studie.
Dazu kommt die Breite: Fünf Zahlen für fünf Merkmale sagen nichts über die Facetten darunter. Soto und John berichten, ihr Instrument mit 15 Facetten biete mehr Bandbreite, Genauigkeit und Vorhersagekraft als der ältere Vorgänger [2].
Wie wir es machen
Das Kurzprofil dieser Seite hat 30 Aussagen, je drei für zehn Facetten. Auch das bleibt ein Kurztest: Es gibt Bänder statt Punktzahlen und weist darauf hin, wenn zu viele Aussagen offen blieben oder sehr schnell beantwortet wurden.
Was die Forschung nicht sagt
- Kurztests leisten wenig, wenn es um den Einzelfall geht. Ein Zehn-Fragen-Ergebnis taugt als Anstoß, nicht als Beschreibung.
- Auch unser Kurzprofil ist kein Test für Bewerbungen oder Beurteilungen.
- Wie genau die Kurzform von Rammstedt und John im Vergleich zur langen Fassung ist, können wir nicht belegen, weil wir die Zahlen nicht am Original geprüft haben.
- Mehr Aussagen kosten mehr Zeit. Jeder Test wägt Genauigkeit gegen Dauer ab.
Selbst ausprobieren
Quellen
- Rammstedt, B. & John, O. P. (2007). Measuring personality in one minute or less: A 10-item short version of the Big Five Inventory in English and German. Journal of Research in Personality, 41(1), 203–212. doi:10.1016/j.jrp.2006.02.001 · gelesen: Titel und Metadaten (Crossref), 27.10.2026; Abstract und Volltext nicht erreichbar
- Soto, C. J. & John, O. P. (2017). The next Big Five Inventory (BFI-2): Developing and assessing a hierarchical model with 15 facets to enhance bandwidth, fidelity, and predictive power. Journal of Personality and Social Psychology, 113(1), 117–143. doi:10.1037/pspp0000096 · gelesen: Abstract, 27.10.2026