Wissen
Was Studien über dich und deine Arbeit sagen.
Jeder Artikel nennt seine Quellen und sagt, wo die Forschung aufhört.
Studien erklärt
Was eine Untersuchung gefunden hat, und was nicht.
- Sagt die Persönlichkeit den Berufserfolg vorher? Ein wenig. Gewissenhaftigkeit hängt als einziges Merkmal durchgehend mit besserer Leistung zusammen, aber der Zusammenhang ist klein: In einer neueren Auswertung liegt er bei etwa 0,19. Wer aus einem Persönlichkeitstest den Berufserfolg eines Einzelnen ablesen will, überschätzt ihn.
- Hängt die Persönlichkeit mit der Zufriedenheit im Job zusammen? Ja, im Mittel. In einer Meta-Analyse hingen niedriger Neurotizismus, Extraversion und Gewissenhaftigkeit mit höherer Arbeitszufriedenheit zusammen. Die Studie fragt aber nach Merkmalen im Durchschnitt, nicht danach, ob ein Charakter zu einer bestimmten Stelle passt.
- Woher kommen die Aussagen in freien Tests? (IPIP) Viele freie Persönlichkeitstests nutzen den International Personality Item Pool (IPIP): eine öffentlich zugängliche Sammlung von Aussagen und Skalen, die jeder ohne Erlaubnis und ohne Gebühr verwenden darf. Frei heißt aber nicht, dass jede Skala gleich gut gebaut ist.
- Was weiß die Forschung über gutes Führen? Führungserfolg erklärt sich zu einem größeren Teil aus Verhalten als aus Eigenschaften, und Führungstrainings wirken im Mittel deutlich. Die Persönlichkeit ist ein schwacher Wegweiser für den Führungsstil, und das eigene Bild von sich deckt sich nur mäßig mit dem der anderen.
Begriffe und Modelle
Woher ein Modell kommt und wie es gemeint ist.
- Was sind die Big Five? Die Big Five sind fünf breite Persönlichkeitsmerkmale: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität (das Gegenstück zu Neurotizismus) und Offenheit für Erfahrungen. Sie wurden nicht aus einer Theorie abgeleitet, sondern aus der Alltagssprache: Wörter, mit denen Menschen einander beschreiben, ordnen sich immer wieder zu denselben fünf Gruppen.
- Was ist das HEXACO-Modell und was ist Ehrlichkeit-Bescheidenheit? HEXACO ist ein Modell mit sechs Persönlichkeitsmerkmalen. Zu den fünf bekannten kommt Ehrlichkeit-Bescheidenheit hinzu: Sie beschreibt, wie sehr sich jemand weigert, andere zu manipulieren oder auszunutzen, und wie wenig er Geld, Status und Sonderrechte für sich beansprucht.
- Was ist eine Facette? Eine Facette ist ein engerer Teilbereich eines breiten Persönlichkeitsmerkmals. Das Merkmal „Extraversion“ ist ein Sammelbegriff, unter dem etwa Durchsetzung und Kontaktfreude liegen, und die beiden müssen bei einer Person nicht gleich ausfallen.
- Was sind Berufsinteressen (RIASEC)? Berufsinteressen beschreiben, welche Art von Tätigkeit dich anzieht. Das RIASEC-Modell von John Holland ordnet sie sechs Bereichen zu: praktisch-technisch, forschend, gestaltend, sozial, unternehmerisch und ordnend. Interessen hängen mit Leistung und Durchhalten zusammen, aber nur mäßig.
- Welche Werte gibt es, und wie hängen sie zusammen? Nach der Theorie von Shalom Schwartz bilden Werte einen Kreis: Benachbarte Werte vertragen sich, gegenüberliegende stehen in Spannung. Die ursprüngliche Theorie kennt zehn Grundwerte, die 2012 verfeinerte 19.
- Was treibt Menschen bei der Arbeit an? Die Selbstbestimmungstheorie unterscheidet nicht „viel oder wenig“ Motivation, sondern die Gründe: Druck von außen, Druck von innen, eigene Überzeugung oder Freude an der Sache. Dazu kommen drei Grundbedürfnisse: Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit.
- Was ist Selbstwirksamkeit? Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, ein bestimmtes Verhalten selbst erfolgreich ausführen zu können. Sie ist nicht dasselbe wie die Erwartung, dass es etwas bringt, und sie ist zunächst auf bestimmte Aufgaben bezogen, nicht auf das Leben im Ganzen.
- Wie bewältigen Menschen Druck bei der Arbeit? Druck entsteht nicht aus der Lage allein, sondern aus ihrer Bewertung. Wie jemand damit umgeht, ist ein Vorgang mit mehreren gleichrangigen Wegen, kein fester Typ und keine Frage von „gut“ oder „schlecht“.
- Welche Arten gibt es, mit Streit umzugehen? Das Dual-Concern-Modell unterscheidet fünf Vorgehensweisen im Konflikt, je nachdem, wie stark jemand das eigene Anliegen und das der anderen Seite verfolgt. Keine davon ist von vornherein die beste; es hängt von der Lage ab.
- Gibt es Entscheidungsstile, und sagen sie, wer besser entscheidet? Ja, Menschen unterscheiden sich stabil darin, wie sie entscheiden. Über die Qualität ihrer Entscheidungen sagt der Stil aber wenig: Die Zusammenhänge sind klein und hängen von der Aufgabe ab.
Nachgeprüft
Verbreitete Annahmen, an Quellen gemessen.
- Ändert sich die Persönlichkeit im Leben noch? Ja. Im Durchschnitt werden Menschen zwischen 20 und 40 gewissenhafter, gelassener und durchsetzungsstärker, und auch später ändern sich noch Merkmale. Die Veränderungen sind aber Durchschnittswerte für Gruppen und sagen nichts darüber, wie sich eine einzelne Person entwickelt.
- Ist Durchhaltevermögen mehr als Gewissenhaftigkeit? Nur zum kleinen Teil. Eine Meta-Analyse mit 66.807 Personen fand, dass Durchhaltevermögen („Grit“) sehr stark mit Gewissenhaftigkeit zusammenhängt und Leistung nur mäßig vorhersagt. Am meisten Substanz hat der Teil „Beharrlichkeit“, nicht das Teilstück „Beständigkeit der Interessen“.
- Wie viel sagt ein Kurztest mit zehn Fragen? Nur eine grobe Richtung. Bei zehn Fragen für fünf Merkmale bleiben zwei Aussagen je Merkmal. Solche Kurzformen sind für Studien mit sehr wenig Zeit gebaut, nicht dafür, einen einzelnen Menschen zu beschreiben.
- Warum zählt bei uns die Antwortzeit mit? Weil sehr schnelles oder gleichförmiges Antworten ein bekanntes Zeichen für unachtsames Ausfüllen ist. Liegt bei uns der Median deiner Antwortzeiten unter 1,2 Sekunden je Aussage, weisen wir dich darauf hin. Das ist ein freundlicher Hinweis, kein Vorwurf.
- Gibt es feste Rollen im Team? Es gibt wiederkehrende Beiträge im Team, aber keine festen Rollentypen. Rollen hängen auch von Erfahrung und Können ab, die Persönlichkeit erklärt nur einen kleinen Teil, und die Annahme, ausgewogene Teams leisteten mehr, ist in Studien nicht verlässlich bestätigt.
- Lernt jeder Mensch in seinem eigenen Lernstil am besten? Dass Unterricht besser wirkt, wenn er zum bevorzugten Lernstil passt, ist nach der Prüfung von Pashler und Kollegen (2008) nicht belegt. Menschen haben Vorlieben und einzelne Begabungen, aber die dafür nötigen Studien fanden sie kaum.
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