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Persönlichkeits-DNA
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Studie

Lerche oder Eule: Was sagt der Chronotyp über die Persönlich­keit?

Kurz gesagtWeniger eng als vermutet. Morgenmenschen beschreiben sich im Mittel als etwas gewissenhafter, Abendmenschen als etwas geselliger und offener. Die Persönlichkeit erklärt aber nur rund ein Zehntel bis ein Sechstel der Unterschiede im Chronotyp.

  • Stand
  • Quellen4
  • Lesezeit2 Min.

Was ein Chronotyp ist

Der Chronotyp beschreibt, wann jemand am liebsten schläft und wach ist. Roenneberg, Wirz-Justice und Merrow entwickelten dafür einen Fragebogen, der Arbeitstage und freie Tage getrennt erfasst. In einer ersten Erhebung mit 500 Fragebögen unterschieden sich die Schlafzeiten an Arbeitstagen und freien Tagen stark, außer bei ausgeprägten Frühtypen. Späte Typen bauten unter der Woche ein Schlafdefizit auf und holten an freien Tagen mehrere Stunden nach. Wer mehr Zeit bei Tageslicht draußen verbrachte, schlief früher [1].

Chronotyp und die Big Five

Lipnevich und Kollegen fassten 2017 620 Korrelationen aus 44 Stichproben mit 16.647 Personen zusammen. Die Zusammenhänge mit den Big Five waren schwach bis mäßig. Am stärksten war der zwischen Gewissenhaftigkeit und Morgenorientierung (ρ = 0,37). Zusammen erklärten die fünf Merkmale zwischen 10,9 und 16,4 Prozent der Unterschiede in der Tageszeit-Vorliebe [2].

Die Tabelle zeigt, wie stark jedes Merkmal für sich mit Morgen- und Abendorientierung zusammenhängt, wenn die anderen vier herausgerechnet sind (β). Neurotizismus hing schwach negativ mit Morgenorientierung zusammen (β = −0,16), Verträglichkeit mit keiner der Größen nennenswert [2].

MORGENTYP (Β)ABENDTYP (Β)Gewissenhaftigkeit0,32−0,26Extraversion0,000,23Offenheit0,040,17
Grafik zu „Chronotyp und die Big Five“. Alles im Wortlaut steht in der Tabelle darunter.
MerkmalMorgentyp (β)Abendtyp (β)
Gewissenhaftigkeit0,32−0,26
Extraversion0,000,23
Offenheit0,040,17

Sozialer Jetlag: wenn der Arbeitstag nicht zur inneren Uhr passt

Wittmann und Kollegen nannten den Unterschied zwischen innerer Uhr und Arbeits- oder Schulzeiten „sozialen Jetlag“. In einer Befragung von 501 Personen hingen Chronotyp, Wohlbefinden und der Konsum von Genussmitteln am deutlichsten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 25 zusammen; am auffälligsten war, dass späte Typen in allen Altersgruppen außer im Ruhestand mehr rauchten. Die Autoren deuten das eher als Folge des sozialen Jetlags als des Chronotyps selbst und empfehlen, Arbeits- und Schulzeiten wo möglich anzupassen [3].

Randler fand 2009, dass Morgenmenschen proaktiver sind als Abendmenschen, also eher bereit, selbst etwas zu unternehmen, um eine Lage zu ihren Gunsten zu verändern [4]. Auch das passt dazu, dass ein Arbeitsleben mit frühem Beginn Frühtypen eher entgegenkommt; es heißt nicht, dass Spättypen weniger können.

Was die Forschung nicht sagt

  • Alle Befunde beruhen auf Selbstauskünften. Wer sich als gewissenhaft beschreibt, beschreibt sich womöglich auch eher als früh.
  • Zusammenhänge sagen nichts über die Richtung. Ein früher Arbeitsbeginn kann Abendmenschen auch erst müde und unzufrieden machen.
  • Lipnevich und Kollegen fanden, dass der Chronotyp Schulnoten über die Big Five hinaus nur geringfügig zusätzlich vorhersagt [2].

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Quellen

  1. Roenneberg, T., Wirz-Justice, A. & Merrow, M. (2003). Life between clocks: Daily temporal patterns of human chronotypes. Journal of Biological Rhythms, 18(1), 80–90. doi:10.1177/0748730402239679 · gelesen: Abstract, 27.10.2026
  2. Lipnevich, A. A., Credè, M., Hahn, E., Spinath, F. M., Roberts, R. D. & Preckel, F. (2017). How distinctive are morningness and eveningness from the Big Five factors of personality? A meta-analytic investigation. Journal of Personality and Social Psychology, 112(3), 491–509. doi:10.1037/pspp0000099 · gelesen: Abstract, 27.10.2026
  3. Wittmann, M., Dinich, J., Merrow, M. & Roenneberg, T. (2006). Social jetlag: Misalignment of biological and social time. Chronobiology International, 23(1–2), 497–509. doi:10.1080/07420520500545979 · gelesen: Abstract, 27.10.2026
  4. Randler, C. (2009). Proactive people are morning people. Journal of Applied Social Psychology, 39(12), 2787–2797. doi:10.1111/j.1559-1816.2009.00549.x · gelesen: Abstract, 27.10.2026

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