Hängt die Persönlichkeit mit der Zufriedenheit im Job zusammen?
Ja, im Mittel. In einer Meta-Analyse hingen niedriger Neurotizismus, Extraversion und Gewissenhaftigkeit mit höherer Arbeitszufriedenheit zusammen. Die Studie fragt aber nach Merkmalen im Durchschnitt, nicht danach, ob ein Charakter zu einer bestimmten Stelle passt.
Was Judge, Heller und Mount fanden
Judge, Heller und Mount ordneten 334 Korrelationen aus 163 unabhängigen Stichproben den fünf Merkmalen zu. Die geschätzten wahren Zusammenhänge mit der Arbeitszufriedenheit [1]:
| Merkmal | Zusammenhang mit Zufriedenheit |
|---|---|
| Neurotizismus (Gegenteil von emotionaler Stabilität) | −0,29 |
| Extraversion | 0,25 |
| Offenheit für Erfahrungen | 0,02 |
| Verträglichkeit | 0,17 |
| Gewissenhaftigkeit | 0,26 |
Was davon belastbar ist
Nur bei Neurotizismus und Extraversion hielt der Zusammenhang über die Studien hinweg. Bei den anderen drei Merkmalen schwankte er zu stark, um ihn zu verallgemeinern [1]. Alle fünf zusammen ergaben einen Zusammenhang von 0,41 mit der Zufriedenheit. Rechnerisch sind das gut 16 Prozent der Unterschiede (0,41 zum Quadrat, unsere Rechnung) [1].
Anders gesagt: Wer sich leichter sorgt und ärgert, schildert seine Arbeit im Mittel unzufriedener. Das gilt mit einiger Streuung über sehr verschiedene Stellen hinweg.
Und die „Passung“?
Judge und Kollegen betrachten Merkmale für sich, nicht ihr Zusammenspiel mit einer Stelle. Zur Passung gibt es eigene Forschung. Kristof-Brown, Zimmerman und Johnson werteten 172 Studien aus. Zwischen der Passung zur Organisation und der Arbeitszufriedenheit fanden sie einen Zusammenhang von 0,44 (65 Studien, 42.922 Personen). Wurde Passung ausdrücklich über Werte gemessen, lag er bei 0,51 [2].
Eine wichtige Einschränkung dort: Direkt erfragte, also wahrgenommene Passung hing deutlich stärker mit Zufriedenheit zusammen (0,56) als indirekt gemessene (0,29) [2]. Wie Passung gemessen wird, verändert das Ergebnis also stark.
Was die Forschung nicht sagt
- Ein Zusammenhang ist keine Ursache. Zufriedene Menschen können sich auch einfach positiver beschreiben, und Zufriedenheit kann Persönlichkeitsangaben färben.
- Die Meta-Analyse nennt Durchschnittswerte aus Studien, kein Rezept für die Berufswahl. Eine einzelne Person kann in einem Beruf glücklich werden, den die Zahlen nicht nahelegen.
- Offenheit und Verträglichkeit zeigten in der Meta-Analyse keinen verlässlichen Zusammenhang mit der Zufriedenheit.
- Die Zahlen zur Passung stammen aus einer anderen Meta-Analyse (Kristof-Brown u. a.) und messen etwas anderes als die Persönlichkeitsmerkmale.
Selbst ausprobieren
Quellen
- Judge, T. A., Heller, D. & Mount, M. K. (2002). Five-factor model of personality and job satisfaction: A meta-analysis. Journal of Applied Psychology, 87(3), 530–541. doi:10.1037/0021-9010.87.3.530 · gelesen: Abstract, 27.10.2026
- Kristof-Brown, A. L., Zimmerman, R. D. & Johnson, E. C. (2005). Consequences of individuals’ fit at work: A meta-analysis of person–job, person–organization, person–group, and person–supervisor fit. Personnel Psychology, 58(2), 281–342. doi:10.1111/j.1744-6570.2005.00672.x · gelesen: Volltext (Tab. 2 und S. 310–311, Prüfung im Dossier werte.md), 27.10.2026