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Was ist Selbst­wirksamkeit?

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, ein bestimmtes Verhalten selbst erfolgreich ausführen zu können. Sie ist nicht dasselbe wie die Erwartung, dass es etwas bringt, und sie ist zunächst auf bestimmte Aufgaben bezogen, nicht auf das Leben im Ganzen.

Stand: 10 Quellen

Was Bandura beschreibt

Bandura unterscheidet 1977 zwei Erwartungen: die Ergebniserwartung („dieses Verhalten führt zu jenem Ergebnis“) und die Wirksamkeitserwartung („ich kann dieses Verhalten selbst ausführen“) [1]. Wer weiß, dass ein Vortrag Kunden überzeugt, aber daran zweifelt, ihn halten zu können, hält ihn nicht.

Das Zutrauen bestimmt nach Bandura, ob jemand eine Aufgabe anfängt, wie viel Anstrengung er investiert und wie lange er bei Hindernissen dranbleibt. Er schränkt selbst ein: Zutrauen allein bringt keine Leistung, wenn die nötigen Fähigkeiten fehlen [1].

Er beschreibt drei Dimensionen: wie hoch die Schwierigkeit ist, die man sich zutraut, wie weit das Zutrauen über eine Situation hinausreicht und wie leicht es durch eine Enttäuschung kippt [1].

Vier Quellen des Zutrauens

Nach Bandura wächst Zutrauen aus vier Quellen. Eigene Erfolge nennt er besonders einflussreich [1]. In einer Übersicht für Schule und Studium fanden Usher und Pajares eigene Erfolge meist als einflussreichste Quelle [9].

QuelleBeispiel
Eigene ErfolgeEine schwierige Aufgabe selbst gelöst haben
Stellvertretende ErfahrungSehen, wie jemand Ähnliches schafft
ZuspruchGlaubhafte Ermutigung durch andere
Körperlicher und gefühlsmäßiger ZustandAufregung als Anspannung oder als Energie deuten

Allgemein oder auf einen Bereich bezogen

Bandura dachte das Konstrukt bereichsbezogen. Die verbreitete Skala zur allgemeinen Selbstwirksamkeit misst dagegen den äußersten Pol, das allgemeine Vertrauen, schwierige Lagen aus eigener Kraft zu meistern [3][4]. Schwarzer rät: Wer ein bestimmtes Verhalten vorhersagen will, schreibt eigene Aussagen für genau dieses Verhalten [3].

Bandura empfiehlt für solche Aussagen die Formulierung „ich kann“ statt „ich werde“, eine Staffelung nach Schwierigkeit und eine Antwortskala von 0 bis 100 in Zehnerschritten; sie sagt Leistung besser vorher als fünf Stufen [2].

Zusammenhang mit Zufriedenheit und Leistung im Beruf

Judge und Bono werteten Studien zur allgemeinen Selbstwirksamkeit aus: Der Zusammenhang mit Arbeitszufriedenheit liegt bei ρ = .45 (k = 12, N = 12.903), der mit Arbeitsleistung bei ρ = .23. Der Leistungswert ruht auf nur 10 Korrelationen (N = 1.122) [5]. Das sind Zusammenhänge zwischen Personen, keine Vorhersage für den Einzelfall.

Judge und Kollegen fanden zudem, dass Selbstwert, Neurotizismus (umgekehrt), Kontrollüberzeugung und allgemeine Selbstwirksamkeit auf einen gemeinsamen Faktor laden. Ein allgemeiner Zutrauenswert misst also zu großen Teilen etwas, das auch andere Skalen erfassen [6].

Innerhalb einer Person scheint das Zutrauen vor allem der früheren Leistung zu folgen; der umgekehrte Weg ist deutlich schwächer [7]. Zutrauen wächst aus Erfahrung. Das spricht für Übungen, die bei kleinen eigenen Erfolgen ansetzen.

Mehr ist nicht immer besser

In zwei Studien führte künstlich gesteigertes Zutrauen bei einer Denkaufgabe zu Übersicherheit und zu mehr Fehlern [8]. Ein hoher Wert ist deshalb nicht „besser“, sondern ein Anlass, die eigene Einschätzung am Ergebnis zu prüfen.

Aufregung vor einer Leistungssituation lässt sich umdeuten. In vier Studien mit Studierenden (Karaoke, Rede, Mathematikaufgabe) half der Satz „Ich bin aufgeregt“ besser als „Bleib ruhig“ [10]. Das sind kurze Laboraufgaben, keine Berufssituationen.

Was die Forschung nicht sagt

  • Ein Wert zur allgemeinen Selbstwirksamkeit sagt nichts darüber, wie sicher du in einer bestimmten Aufgabe bist. Dafür braucht es Aussagen zu genau dieser Aufgabe.
  • Die Zusammenhänge mit Arbeitsleistung sind klein bis mittel und gelten für Gruppen, nicht für dich im Einzelfall.
  • Niedrige Werte liegen in der Forschung nahe an Themen wie Ängstlichkeit; ein Test auf dieser Seite deutet das nicht und ersetzt keine Beratung.
  • Die Studie zur Umdeutung von Aufregung nutzt Studierende und kurze Aufgaben; ob das im Berufsalltag trägt, zeigt sie nicht.

Selbst ausprobieren

Quellen

  1. Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191–215. doi:10.1037/0033-295X.84.2.191 · gelesen: Volltext, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit; Abb. 1 S. 193, S. 194, S. 195)
  2. Bandura, A. (2006). Guide for constructing self-efficacy scales. In F. Pajares & T. Urdan (Hrsg.), Self-efficacy beliefs of adolescents (S. 307–337). Information Age Publishing. · gelesen: Volltext (Archivkopie), 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit; S. 308, 311, 312)
  3. Schwarzer, R. (2014). Everything you wanted to know about the General Self-Efficacy Scale but were afraid to ask (FAQ). http://userpage.fu-berlin.de/~health/faq_gse.pdf · gelesen: Volltext, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit; S. 1)
  4. Jerusalem, M. & Schwarzer, R.: Skalenseite „Allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung (SWE)“. http://userpage.fu-berlin.de/~health/germscal.htm · gelesen: Originalseite, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit)
  5. Judge, T. A. & Bono, J. E. (2001). Relationship of core self-evaluations traits with job satisfaction and job performance: A meta-analysis. Journal of Applied Psychology, 86(1), 80–92. doi:10.1037/0021-9010.86.1.80 · gelesen: Volltext, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit; Tab. 1 S. 83, Tab. 2 S. 84)
  6. Judge, T. A., Erez, A., Bono, J. E. & Thoresen, C. J. (2002). Are measures of self-esteem, neuroticism, locus of control, and generalized self-efficacy indicators of a common core construct? Journal of Personality and Social Psychology, 83(3), 693–710. doi:10.1037/0022-3514.83.3.693 · gelesen: Abstract, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit); keine Zahl übernommen
  7. Sitzmann, T. & Yeo, G. (2013). A meta-analytic investigation of the within-person self-efficacy domain: Is self-efficacy a product of past performance or a driver of future performance? Personnel Psychology, 66(3), 531–568. doi:10.1111/peps.12035 · gelesen: Abstract, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit); keine Zahl übernommen
  8. Vancouver, J. B., Thompson, C. M., Tischner, E. C. & Putka, D. J. (2002). Two studies examining the negative effect of self-efficacy on performance. Journal of Applied Psychology, 87(3), 506–516. doi:10.1037/0021-9010.87.3.506 · gelesen: Abstract, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit); keine Zahl übernommen
  9. Usher, E. L. & Pajares, F. (2008). Sources of self-efficacy in school: Critical review of the literature and future directions. Review of Educational Research, 78(4), 751–796. doi:10.3102/0034654308321456 · gelesen: Abstract, 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit)
  10. Brooks, A. W. (2014). Get excited: Reappraising pre-performance anxiety as excitement. Journal of Experimental Psychology: General, 143(3), 1144–1158. doi:10.1037/a0035325 · gelesen: Volltext (Autorenfassung), 27.10.2026 (Dossier selbstwirksamkeit)

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