Macht Feedback immer besser?
Kurz gesagtNein. Im Mittel verbessert Rückmeldung die Leistung spürbar, in über einem Drittel der untersuchten Fälle verschlechterte sie sie aber. Am besten wirkt Feedback, das bei der Aufgabe bleibt und konkret sagt, was zu tun ist, statt die Person zu bewerten.
Der Durchschnitt: deutlich positiv
Kluger und DeNisi fassten 1996 607 Effektgrößen mit 23.663 Beobachtungen zusammen. Feedback verbesserte die Leistung im Mittel deutlich (d = 0,41) [1]. Wisniewski, Zierer und Hattie kamen 2020 für den Unterricht mit 435 Studien und 994 Effektgrößen auf einen ähnlichen mittleren Effekt (d = 0,48) [2].
| Meta-Analyse | Mittlerer Effekt (d) |
|---|---|
| Kluger & DeNisi 1996 (607 Effektgrößen) | 0,41 |
| Wisniewski, Zierer & Hattie 2020 (994 Effektgrößen, Unterricht) | 0,48 |
Die Überraschung: jedes dritte Feedback schadete
Der Mittelwert verdeckt, wie verschieden Feedback wirkt. Bei Kluger und DeNisi verschlechterte mehr als ein Drittel der Rückmeldungen die Leistung. Das ließ sich weder mit Zufall noch damit erklären, ob die Rückmeldung lobend oder kritisch war [1].
Ihre Erklärung: Feedback lenkt die Aufmerksamkeit. Bleibt sie bei der Aufgabe, also beim Lernen und bei der Motivation für genau diese Aufgabe, hilft es eher. Je näher die Rückmeldung an die eigene Person rückt („du bist …“), desto schwächer wirkt sie [1].
| Wohin Feedback die Aufmerksamkeit lenkt | Beispiel (unsere Erläuterung) | Wirkung nach Kluger & DeNisi |
|---|---|---|
| Auf das Lernen der Aufgabe | „Die Zahlen in Spalte 3 fehlen noch.“ | eher wirksam |
| Auf die Motivation für die Aufgabe | „Bis Freitag schaffst du die zwei fehlenden Kapitel.“ | eher wirksam |
| Auf die eigene Person | „Du bist einfach nicht gründlich.“ | schwächer, kann schaden |
Was eine Rückmeldung nützlich macht
Auch Wisniewski und Kollegen fanden große Unterschiede zwischen den Studien. Entscheidend war, wie viel Information die Rückmeldung enthielt. Feedback wirkte stärker auf Wissen und Fertigkeiten als auf Motivation und Verhalten. Die Autoren folgern, dass verschiedene Formen von Feedback als eigene Maßnahmen betrachtet werden sollten [2].
Was die Forschung nicht sagt
- Die Studien messen meist Leistung in einer Aufgabe kurz nach der Rückmeldung. Wie Feedback über Monate in einem Team wirkt, zeigen sie kaum.
- Dass lobendes und kritisches Feedback sich bei Kluger und DeNisi nicht als Erklärung eigneten, heißt nicht, dass der Ton egal ist. Es heißt, dass der Ton allein die schädlichen Fälle nicht erklärt.
- Die Meta-Analyse von 2020 stammt aus dem Unterricht. Die Übertragung auf Mitarbeitergespräche ist eine Annahme.
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Quellen
- Kluger, A. N. & DeNisi, A. (1996). The effects of feedback interventions on performance: A historical review, a meta-analysis, and a preliminary feedback intervention theory. Psychological Bulletin, 119(2), 254–284. doi:10.1037/0033-2909.119.2.254 · gelesen: Abstract, 27.10.2026
- Wisniewski, B., Zierer, K. & Hattie, J. (2020). The power of feedback revisited: A meta-analysis of educational feedback research. Frontiers in Psychology, 10, 3087. doi:10.3389/fpsyg.2019.03087 · gelesen: Abstract, 27.10.2026
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